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Siegfried Metzner - Vermona ist und bleibt ein Teil von mir
"Es hat ja nie genügt..." sagt Siegfried Metzner schmunzelnd und fast damit einen kurzweiligen Rückblick auf sein Lebenswerk zusammen. Noch immer spielt der in- zwischen 80jährige auf der heimischen E-Orgel, daß sich eine gewisse Ehrfurcht vor den Tönen des Meisters nicht leugnen läßt. Was auf den ersten Blick als gutes altes Orgelsspiel erscheint, wird beim Betrachten des beruflichen Werdegangs von Siegfried Metzner schnell zu einer eindrucksvollen Geschichte eines begnadeten Tüftlers mit künstlerischen Ambitionen.
Alles begann 1956 in Plauen und der Einweihung des Filmtheater "Capitol", das zu dieser Zeit das modernste Kino der ehemaligen DDR war. Zwar spielte Siegfried Metzner bereits im zarten Alter von 3 Jahren in ersten musikalischen Versuchen auf der Knopfharmonika, später dann Akkordeon, aber die selbst für heutige Verhältnis- se einmalige Karriere begann in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg. Die noch junge DDR brauchte fähige Arbeitskräfte zum Aufbau des Sozialismus. Siegfried Metzner wurde zum Rundfunkmechaniker ausgebildet und kam in der Zeit zum ersten Mal mit der Reparatur von Musikinstrumenten in Berührung. Bei der Firma Blohm aus Plauen, für die er ab 1951 tätig war, baute er aus einem Harmonium eine Elektro- nenorgel. Auf der Suche nach einer Auftrittsmöglichkeit, das neue Instrument in der Öffentlichkeit vorzustellen, erwies sich eine simple Idee als absoluter Renner. "Wir können ja im Kino vor den Filmen zur Werbung aktuelle Schlager spielen". Der Ein- fall erwies sich schnell als die Top-Idee. Der bei den Zuschauern der damaligen Zeit beliebte Klang der E-Orgeln und die Atmosphäre des Kinoerlebnisses der 50er Jahre waren der Knüller für das Publikum.
Was 1956 im Plauener Capitol begann, wurde schnell zu einer festen Institution in diesem Kino. Die extra für dieses Filmtheater gebaute Orgel hatte Siegfried Metzner selbst entwickelt. Zu dieser Zeit war er im VEB Kombinat Elektronik in Plauen tätig. Mit Untertstützung von Betriebsleitung und Kollegen entstand die "Plauener Kino- orgel", ein zweimanualiges Instrument mit Basspedalen und 14 beliebig mischbar- en Klangfarben.
Eigentlich mußte ich fast ständig etwas bauen oder zumindest reparieren, wird Siegfried Metzner später sagen. Die Technik dieser Tage war noch relativ anfällig und bedurfte einer ständigen Wartung. Da inzwischen die Kinoorgel täglich in Be- trieb war, ging auch mal was kaputt in der Elektronik und mußte ersetzt werden. Die Kinoorgel im Plauener "Capitol" selbst erfreute sich auf der einen Seite beim Publikum allergrößter Beliebtheit, brachte aber die Organisten nicht selten ins Schwitzen. Eigentlich konnten nur Siegfried Metzner und Gottfried Schwabe das Instrument vorzeigbar bedienen. Klassische Organisten mit Erfahrungen auf der Kirchenorgel scheiterten an der Spieltechnik, welche die Kinoorgel erforderte. Orgel ist halt nicht Orgel" lacht Siegfried Metzner. Man mußte schon den richtigen Groove haben, würde man heute sagen. Siegfried Metzner hatte den richtigen Groove und er hat ihn heute noch.
Den Ruf als rastloser Tüfter machte der einfallsreiche Rundfunkmechaniker Anfang der 60er Jahre wiederholt alle Ehre. 1963 brachte die DDR das erste Volltransistor- Instrument auf den Markt, entwickelt und hergestellt von Siegfried Metzner und seinen Kollegen aus befreundeten Firmen in und um Plauen. "Als die Leute den neuen Klang hörten, wollten sie überhaupt nicht mehr gehen" wird er Jahrzehnte später über den damaligen Erfolg schwärmen. Bis 1964 ist Siegfried Metzner be- ziehungsweise das Spiel auf der Kinoorgel neben den Filmen der heimliche Star im Plauener Capitol. Inzwischen ist man allerdings in paar Kilometer südlicher auf einen Rundfunkmechaniker aufmerksam geworden, der so schöne Instrumente bauen kann.
Es war die Abteilung für Forschung und Entwicklung des VEB Klingenthaler Harmo- nikawerke in Schöneck, welche um die Mitarbeit an der Produktion "elektronischer Klangerzeuger" bat. Das ließ sich Siegfried Metzner natürlich nicht zweimal sagen, wurde allerdings auch der geliebten Plauener Kinoorgel nicht untreu. "Zum Glück konnte Gottfried Schwabe die Nachmittags-Vorstellungen übernehmen." Der hatte ebenfalls das richtige Gold in den Fingern für die Orgelmusik.
Mit der Arbeit im sogenannten Musikwinkel beginnt 1964 für Siegfried Metzner eine einmalige Karriere als "Instrumentenbauer" für elektronische Orgeln in der DDR. In den nun folgenden Jahren wird der gelernte Rundfunkmechaniker an zahlreichen Entwicklungen beteiligt sein, die den Stempel "Made ind GDR" tragen. Die Firma war sich des Marktwertes des Herrn Metzner durchaus bewußt. Nicht nur, das er die begehrten Orgeln entwickeln konnte. Besonders auf der Leipziger Messe, wo die aktuellen Highlights dem nationalen und natürlich internationalen Publikum vor- gestellt wurden, faszinierte Siegfried Metzner nicht nur durch sein enormes Fach- wissen. Wenn ein Berliner Besucher salop "Spiel´n se doch ma wat" sagte, war die Orgel nach der Vorführung in der Regel so gut wie verkauft. Diverse Neuerungen kamen übrigens auch der Kinoorgel in Plauen zu Gute. So hatte das Lichtspielthe- ater in jener Zeit das modernste Instrument dieser Art in der DDR.
1974 hat die "alte" Orgel im Plauener Kino ausgedient. Sie wird durch eine, wie soll es anders sein, von Siegfried Metzner entwickelte Konzertorgel Vermona ET 6-2 er- setzt. Die neue Spitzenorgel aus dem VEB Klingenthaler Harmonikawerke bekam auf der Leipziger Frühjahrsmesse bereits eine Goldmedaille und erklingt nun seit Pfingsten 1974 im Plauener Capitol. Schwestern der Vermona ET 6-2 werden, nach Möglichkeit gegen Devisen, in die gesamte Welt exportiert. Die mobile Version der Orgel ist natürlich auch bei Muskfreunden in der DDR sehr begehrt, allerdings nicht immer leicht zu bekommen.
Das Siegfried Metzner seiner Kinoorgel fast uneingeschränkt die Treue hält, macht besonders die Bezirksfilmdirektion Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) sehr glücklich, zu deren Einzugsgebiet das Lichtspieltheater in Plauen gehört. Offiziell als Test- und Erprobungsprogramm deklariert, tüftelt Kollege Metzner vom VEB Klingenthaler Harmonikawerke an den Neuerungen auf dem Gebiet der elektronischen Musikin- strumente. Das ist auch notwendig, den in den 70er Jahren verlang die Gruppe der Tanz- und Unterhaltungsmusiker nach zeitgemäßen Tasteninstrumenten. Mit der Orgel "ET 6-2" (zweimanualig mit eingebautem Rhythmusgerät) war ja bereits ein großer Wurf gelungen. Getreu dem bereits erwähntem Motto "Es hat ja nie genügt" wurde selbstverständlich weiterentwickelt, sodas Anfang 1980 das neueste, aber auch gleichzeitig letzte Flaggschiff der Konzertorgeln dieser Bauart vom Stapel der Klingenthaler Instrumentenbauer lief. Die "Formation 3" ähnelte im Aufbau schon der ET 6-2, aber das klingende Herz der Sinusorgel gehört aus heutiger Sicht zu den Meisterwerken von Siegfried Metzner. Nur das analoge Rhythmusgerät wurde wieder eingebaut, was besonders aus heutiger Sicht eine kluge Entscheidung war. Der legendäre" Klopfer" hat nicht nur als Einzelgerät, das es bereits seit 1976 gibt, im Laufe der Jahre Kultstatus erreicht. Gerade im Verbund mit dem Klang der Ver- monaorgeln entsteht der typische Sound, der die swingende Orgelmusik dieser Art seit Jahrzehnten am Leben hält. Kein modernes Gerät kann bis heute den Klang, geschweige den das Spielgefühl auf einer echten Metzner-Orgel ersetzten.
10 Jahre lang wurde die Baureihe "Formation" hergestellt, die es neben der großen "drei" auch als kleinere Version gab. Die Formation "1" hatte nur ein Manual, aller- dings eine vollwertige Basstrennung, die Formation "2" zwei Manual. Beiden fehlte das eingebaute Rhythmusgerät und auch die Bass-Pedale gibt es nur bei der gros- sen Ausführung. Das1979/80 von Siegfried Metzner selbst gebaute Prototyp der Formation 3 steht heute vollfuntionsfähig bei einem Sammler alter Musikinstrumen- te von Vermona in der Wartburgstadt Eisenach in Thüringen. Bis zu Wende 1989 stand das Instrumente als "Schablone" u.a. im Orgelkabinett des VEB Klingenthaler Harmonikwerke und tat ab 1990 in einer Glaubensgemeinschaft in Plauen seinen Dienst. Seit Anfang 2010 hat das wertvolle Instrument seinen Platz im Museum ge- funden, genau gesagt im Online-Museum. Musikfreunde auf der ganzen Welt sind nun in der Lage, das wunderbare Instrument ansehen zu können. Natürlich wird die Orgel in gewohnter und bewährte Weise von Siegfried Metzner vorgeführt, den ein paar original genau dieser" Formation 3" vor über 25 Jahren eingespielten Musik- stücke habe ebenfalls ihren Weg nach Thüringen gefunden in Form einer Leihgabe von Siegfried Metzner höchstpersönlich.
"Was hätten wir wohl alles bauen können, wenn wir die Materialmöglichkeiten wie im damaligen Westen gehabt hätten" erinnert sich der ehemalige Rundfunkmecha- niker, und spielt noch einen Titel auf seiner Wersi-Orgel, die er übrigens auch als letzte Orgel im Pauener Kino stand. Allerdings nur 2 Jahre, aber auch die hat Herr Metzner natürlich selbst zusammengebaut. Von 1987 bis zur Wende 1989 war er im Plauener Kino sogar Theaterleiter erklärt. Die neue Zeit nach dem Ende der DDR benötigte keine Kino-Organisten mehr, welche die Werbung musikalisch untermal- ten. Siegfried Metzner verließ die "große" Bühne der Musik in Richtung wohlverdien- ten Ruhestand, allerdings nicht ohne besagte letzte Kinoorgel zu erwerben. Ein Leben ganz ohne Orgel wäre wohl das letzte, was sich Siegfried Metzner vorstellen könnte. Es wird im heimischen Musikzimmer gespielt, besonders wenn Besuch da ist (wie am 12. Februar 2010 aus Thüringen) und gebastelt wird hier und da natür- lich auch. Es hat eben nie genügt und ohne geht schon gar nicht.
Wer Siegfried Metzner persönlich kennenlernen durfte, traf auf einen stets freund- lichen, aber vor allem sehr bescheidenen Menschen. Niemand würde ohne ihn zu kennen bemerken, was für eine Persönlichkeit hinter dem ehemaligen Rundfunk- mechaniker steckt. Ihm und sebstverständlich seinen damaligen Kollegen ist ein Stück Musikgeschichte zu verdanken, daß die ehemalige DDR, aber besonders eine kleine Region in Sachsen, weltbekannt gemacht hat.
Musikinstrumente in Eisenach gab es in der Bahnhofstraße
Es war zwar nur ein kleines Geschäft in der Eisenacher Bahnhofstraße gegenüber vom Intershop an der Ecke Wartburgalle,aber viel Ausstellungfläche brauchte der Laden auch nicht. Ein paar Gitarren Marke Musima,ein einfaches Schlagzeug Typ Tacton und ein oder zwei aktuelle Vorführmodelle an Tasteninstrumenten aus dem VEB Klingenthaler Harmonikawerke füllten den Raum gut auf. Während an der lin- ken Verkaufstheke neben der Eingangstür noch der Erwerb von Schmuck Made in GDR angeboten wurde, stand die zweite Theke ganz den Bedürfnissen der Musiker zur Verfügung. Die Besatzung der Filiale bestand aus einem Herrn Hefenbrock und zwei Verkäuferinen. Erstgenannter war vorwiegend für den Verkauf bei den Musik- instrumenten zuständig. Allerdings war das Verkaufen häufig mehr ein Beraten zum gewünschten Intstrument. Auch wenn das Objekt der Begierde sich tatsächlich im Laden befand, konnte man das sogenannte Vorführmodell nicht einfach bezahlen und mitnehmen. Der Name sagt es ja schon: Vorführmodell. In der DDR war dieser Begriff gerade bei hochwertigen Musikinstrumenten absolut Programm. Wir können die Orgel gerne bestellen, wenn Sie das möchten... Das bekam der Kunde relativ oft zu hören, die DDR exportierte den größten Teil seiner Produkte dieser Art wenn es möglich war ins Ausland. Hatte neben der Sowjetunion der Westen in Form der BRD Interesse und zahlte in für die DDR äußerst wertvollen Devisen, bliebt für den Musikmarkt der Deutschen Demokratischen Republik nicht mehr viel übrig.